[uplug] Artikel Freie Software

Hermann Schwarting hfs at gmx.de
Di Okt 30 11:35:56 CET 2007


Hallo zusammen,

wie ihr Euch hoffentlich noch erinnern könnt, sollen wir/ich einen 
Artikel über Freie Software schreiben. Hier kommt mein Entwurf. Bitte 
lest ihn und schickt mir alle Kommentare, Vorschläge, Korrekturen 
usw, die ihr habt. Gerne auch ausformuliert :) Ich bin mir jetzt 
leider nicht mehr so sicher, ob’s nicht zu theoretisch und trocken 
geworden ist. Ein schmissiges Fazit fehlt auch noch. Leider ist heute 
auch Redaktionsschluss, ihr habt also noch ein paar Stunden :)

Danke und Viele Grüße,
Hermann

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Freie Software

Software ist bemerkenswert. Software ist nicht materiell, und doch
gewinnt sie an Einfluss auf unser modernes Leben. Mehr als die Hälfte
aller Arbeitnehmer in Europa nutzen Computer im Beruf. Alle mittleren
und großen Unternehmen sind  in verschiedenem Maße von Software
abhängig. Auch die Kultur digitalisiert sich. Kunst und Unterhaltung
werden mit Hilfe von Software erschaffen, über das Internet verbreitet
und mit elektronischen Geräten – deren Funktion heute Software
bestimmt wird – konsumiert. Computerfertigkeiten sind entscheidend für
den Zugang zu Bildung und Arbeit.

Software hat besondere Eigenschaften: Sie ist in der Herstellung teuer
und extrem personalintensiv. Sie ist gewissermaßen
maschinenausführbares Wissen. Ist sie aber einmal erstellt, können
nahezu kostenfrei beliebig viele Kopien erstellt werden. In ihrer
computerausführbaren Form, dem sog. Maschinencode, ist sie für
Menschen unverständlich. Bei der Programmierung wird zuerst ein sog.
Quellcode in einer für Menschen lesbaren Programmiersprache erstellt
und dann in die Maschinenform überführt. Die umgekehrte Richtung ist
(fast) nicht möglich. Diese Trennung ist es, die bei Geheimhaltung der
Quellcodes die Einsichtnahme in die genaue Funktionsweise eines
Programms verhindert und damit den Softwarehersteller vor der
Konkurrenz aber auch vor dem Kunden schützt. Der Anwender wird so zum
Konsumenten; er kann nur das Gesamtpaket kaufen und ist auch bei
Fehlerkorrekturen und Verbesserungen vom Originalhersteller abhängig.
Das Urheberrecht schützt Software besonders. Der Urheber darf über die
Verwendung seiner Software vollständig selbst bestimmen. Sie darf
damit ohne Erlaubnis des Urhebers nicht einmal benutzt, geschweige
denn kopiert werden. Software wird im Allgemeinen nicht verkauft,
sondern nur eine Lizenz, die ein eingeschränktes Nutzungsrecht daran
einräumt.


Vier Freiheiten

Die Freie-Software-Bewegung ist angetreten, dem einzelnen Anwender wie
auch der gesamten Gesellschaft die Freiheit in Bezug auf Software
zurückzugeben. Vier Freiheiten sind es, die dazu als elementar
angesehen werden:
* Die Verwendung für uneingeschränkt jeden Zweck, auch zum
  Geldverdienen
* Die Freiheit, die Funktionsweise zu studieren und zu verändern
* Die Freiheit, die Software zu kopieren und weiterzugeben, ohne dazu
  um Erlaubnis bitten zu müssen
* Die Freiheit, auch eigene Veränderungen an der Software
  weiterzugeben
Für diese Freiheiten ist teilweise der Zugang zum Quellcode
Voraussetzung. Andere Software, die kostenlos abgegeben wird, z.B. als
Freeware oder als Dreingabe beim Computerkauf, bietet diese Freiheiten
meist nicht und sollte nicht damit verwechselt werden.


Linux

Zur bekanntesten Freien Software zählt das Betriebssystem Linux. Der
Betriebssystemkern wird zusammen mit Systemsoftware und darauf
aufsetzenden Anwendungsprogrammen in so genannten Distributionen
vertrieben, und diese sind es meist, die die Anwender unter dem
zusammenfassenden Begriff „Linux“ installieren. Die Distributionen
sammeln die Anwendungssoftware von den verschiedenen Entwicklern und
Anbietern zusammen und stellen sie als leicht zu installierende Pakete
zu einem stimmigen Gesamtsystem zusammen. Das geht nur, weil es sich
um Freie Software handelt, die einfach so kopiert und falls nötig
angepasst werden darf.

In diesem Biotop gibt es keinen zentralen Hersteller. Das hat eine bei
anderen Betriebssystemen unbekannte Vielfalt zur Folge. Es gibt
Distributionen für jeden allgemeinen oder speziellen Zweck. Linux
läuft auf Geräten vom Handy über Desktop-PCs und Netzwerkgeräte bis
zum Supercomputer. Diese Vielfalt bedingt aber auch
Unübersichtlichkeit für die Anwender.


Das Entwicklungsmodell

Das Internet gab der Freien Software den entscheidenden Schub. Sie
wird heute in selbstorganisierten Strukturen und Kooperation über das
Internet erstellt. An kleinen Projekten arbeiten oft Freiwillige,
zunehmend gibt es aber auch von Firmen bezahlte Programmierer. Die
Entwicklung erfolgt im Allgemeinen sehr offen: Auf öffentlichen
Mailinglisten werden Probleme und die zukünftige Entwicklungsrichtung
diskutiert. Oft gibt es eine frei einsehbare Fehlerverwaltung, wo
Fehler in der Software gemeldet, eingesehen und diskutiert werden
können. Die Benutzer werden sehr stark eingebunden. Meist ist eine
Interaktion direkt mit den Programmierern möglich und selbst
vorgenommene Verbesserungen können eingereicht werden. Freiwillige
werden für weniger technische Aufgaben herangezogen, z.B. als Tester
oder zum Schreiben von Dokumentation oder Übersetzungen.

In der Bekenntnis, dass Software sowieso nie ganz fertig ist, werden
häufig kleine Verbesserungsschritte veröffentlicht. Da es keinen Grund
dafür gibt, Funktionsweisen zu verschleiern oder sich von der
Konkurrenz abzusetzen, gibt es eine starke Tendenz dazu, sich an
offene Standards und offene Dateiformate zu halten und mit anderen
Programmen gut zusammenzuarbeiten.


Gesellschaftliche Rolle

Freie Software ermöglicht einen fairen Zugang zu professioneller
Software für alle. Nach dem Motto „geteiltes Wissen ist doppeltes
Wissen“ gibt sie freizügig Know-How weiter, z.B. an
Entwicklungsländer. Die zur Nutzung der digitalen Medien erforderliche
Bildung kann günstiger erworben werden und die „digitale Kluft“
überwunden werden. Freie Software als Basis für eigene Produkte und
Dienstleistungen eröffnet auch kleinen Unternehmen einen Einstieg in
den Softwaremarkt. Öffentliche IT-Investitionen beispielsweise bleiben
dadurch in der Region und versickern nicht als Lizenzzahlungen bei
wenigen, großen Herstellern. Übersetzungen der Oberflächen von
Programmen in „seltene“ Sprachen, die sich im kommerziellen Umfeld
nicht lohnen würden, machen die Software Menschen ohne
Fremdsprachenkenntnissen zugänglich. Programmieren ist kein Voodoo,
sondern entwickelt sich zu einer viel benötigten Kulturtechnik. Freie
Software bietet ein Umfeld, in dem man von anderen Programmierern
lernen und sich ausprobieren kann.


Wissenschaft

In vielen wissenschaftlichen Disziplinen entsteht heutzutage Software
als (Neben-)Produkt von Forschung. Wenn dann versucht wird, die
Software kommerziell zu vermarkten, verkommen die zugehörigen
Veröffentlichungen zu Werbung. Eine Veröffentlichung als Freie
Software entspricht dem wissenschaftlichen Geist viel mehr, denn dann
können die Forschungsergebnisse nachvollzogen, überprüft und
kritisiert werden. Wie bei schriftlichen Veröffentlichungen bleibt die
Urheberschaft gewahrt, während die Software der Forschergemeinschaft
als Grundlage für weitere Arbeiten zur Verfügung steht. Auch in der
Lehre bietet Freie Software Vorteile. Sie gewährt Chancengleichheit,
weil sie den Studierenden kostengünstig auch zuhause zur Verfügung
steht. Ohne künstliche Verknappung kann sie in der Uni auf beliebig
vielen Rechnern verwendet werden. Es werden damit grundsätzliche
Fähigkeiten erlernt, und keine Marktführerprodukte geschult.


Erfolg

Freie Software bietet aus Anwendersicht viele Vorteile. Ihnen wird
durch die geringere Abhängigkeit vom Anbieter die Selbstermächtigung
möglich. Bei Unzufriedenheit mit dem Entwickler können sie selbst
benötigte Änderungen vornehmen oder dies als Auftrag an Dritte
vergeben. Notfalls ist eine Abspaltung des Projekts möglich. Das
Entwicklungsmodell erlaubt eine ehrliche Kommunikation des Anbieters
ohne zwischengeschaltete Marketingabteilung. Programme müssen nicht
unendlich viele Fähigkeiten haben, um sich vermarkten zu lassen,
sondern können lieber eine Sache gut machen. Auch über Programmfehler
kann ehrlich gesprochen werden. Weil Anwender und andere Experten die
Funktionsweise der Programme untersuchen können, können
Sicherheitslücken leichter gefunden und behoben werden und
unerwünschte Funktionen nahezu ausgeschlossen werden.

Entwickler, die in ihrer Freizeit an Freier Software mitarbeiten,
werden zwar nicht direkt dafür bezahlt, können dafür aber an dem
arbeiten, was Spaß macht, was eine Herausforderung ist, was
weiterbildet, den eigenen Marktwert erhöht oder was man selbst
braucht. Es gibt keinen Druck durch feste Termine und keine
Verpflichtung an Projekte, an denen man das Interesse verloren hat.
Standardsoftware und Programmierbibliotheken brauchen nicht selbst
geschrieben werden, sondern man kann sich kostenfrei bei anderen
bedienen. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele
Entwickler auch schlicht für ihre Arbeit angestellt oder bezahlt
werden.

Als Firmenkunde emanzipiert man sich gegenüber dem Softwareanbieter
und gewinnt Zukunftssicherheit. Software verschwindet nicht einfach,
wenn der Anbieter insolvent wird oder das Interesse verliert. Freie
Software kann als Basis für eigene Software, Dienstleistungen oder
Geräte dienen. Es sind natürlich andere Geschäftsmodelle nötig, da
Freie Software, auch wenn sie durchaus verkauft werden darf, meistens
kostenlos über das Internet verfügbar ist. Es steckt aber durchaus
Geld z.B. in der Wartung, individuellen Anpassung, Schulung und im
Support.


Andere freie Inhalte

Inspiriert durch das „Prinzip Freie Software“ wurde begonnen, auch
andere Medien unter ähnlich großzügigen Bedingungen zu verbreiten. So
gibt es inzwischen auch Freie Texte, Grafiken, Fotos, Musik, Filme und
so weiter, die kopiert und zu eigenen Werken weiterverarbeitet werden
dürfen. Bekannte Beispiele sind die Online-Enzyklopädie Wikipedia und
die Creative-Commons-Lizenzen, die es Künstlern erlauben, ihre Werke
leicht freizugeben und trotzdem eine gewisse Kontrolle zu behalten.


**ein Fazit fehlt irgendwie noch total**

[für weitergehende Lektüre würde ich auf die Opensource-Jahrbücher der
TU Berlin verweisen www.opensourcejahrbuch.de]

-------------- nächster Teil --------------
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