[uplug] GPL v3

Hermann Schwarting hfs at gmx.de
Di Jul 3 00:07:35 CEST 2007


Am Montag, 2. Juli 2007 schrieb Hartmut Noack:

> > DRM-Verbot in §3.
> >
> > * wenn ein GPL-Programm Teil eines Kopierschutzes ist und durch
> >   Änderung des Programms der Kopierschutz umgangen werden kann,
> >   man dies auch machen darf?
>
> Genau das, würde ich sagen...

Ok, ich lese das auch so. Nur glaube ich irgendwie, dass die 
Bestimmung nutzlos sein wird. Unter der Annahme, jemand würde ein 
GPlv3-DRM-System für IP-TV herstellen, es fände entsprechende 
Unterstützung der Inhalteanbieter und würde breit genutzt und bei 
Veränderung der Software, meinetwegen durch Ausnutzen eines 
ungewollten Designfehlers, ließen sich Daten kopieren. Dann würde 
damit ja das Urheberrecht des Künstlers verletzt und nicht das des 
Softwareherstellers. Meiner Auffassung nach kann der 
Softwarehersteller nicht für Dritte Rechte abtreten, der Künstler 
könnte mich immer noch verklagen und dieser Abschnitt in der GPL 
hätte gar nichts bewirkt.

> > * Bei der GPLv2 musste man *allen Dritten* kostenlos eine Lizenz
> >   erteilen und ihnen Zugang zu den Quellen zum Selbstkostenpreis
> >   einräumen. Bei der v3 genügt es, den Zugang nur denen
> >   anzubieten, die bereits im Besitz des Objektcodes sind.
> >
> > Das bedeutet für „Consumergeräte“ wie Handies oder Settopboxen
> > mit GPL-Programmen ja wohl, dass erst ein Kunde den Objektcode
> > „freikaufen“ muss, bevor er den Sourcecode verlangen und
> > weiterverbreiten kann. Und das gilt dann wohl noch für jede
> > Version einzeln?
>
> Hat er den Objektcode nicht schon mit dem Mobiltelefon/Router etc
> "freigekauft"?

Ja klar, aber es geht mir ja um die Dritten. Z.B. kann man bei der 
GPLv2, wenn man weiß, dass Linksys Router mit Linux verkauft, sich an 
sie wenden und sich den Quelltext geben lassen, auch wenn man so ein 
Ding gar nicht gekauft hat. Das schwächt also die bisherige Regelung 
ab.

Andererseits sehe ich da neue Geschäftsmodelle für Weiterentwicklungen 
von GPLv3-Software: Wenn ich einen kleinen Kundenstamm überzeugen 
kann, dass es für alle Beteiligten besser ist, wenn sie meinen Source 
nicht weitergeben und mich lieber bezahlen, brauche ich meine Quellen 
nicht zu veröffentlichen.


Und am Montag, 2. Juli 2007 schrieb katjas:

> was schert uns Novell/M$? Meine Open Suse10.2 ist die letzte, die
> ich installiert habe. Weiter geht's mit Debian.

Oh, das schert mich schon aus mehreren Gründen:

Ich finde mit dem Patentabkommen gesteht Novell ein, dass 
Softwarepatente rechtmäßig und durchsetzbar sind und dass die 
Ansprüche Microsofts gerechtfertig sind. Indirekt wird also die 
Möglichkeit eingeräumt, dass Linux-Entwickler und -Benutzer die 
Patente Microsofts verletzen – denn wenn nicht bräuchte es kein 
Abkommen.

Außerdem haben Xandros und Linspire ähnliche Abkommen unterschrieben. 
Ubuntu und Red Hat haben ein Abkommen abgelehnt. Red Hat bringt sich 
gegen Softwarepatente ein, bietet aber gleichzeitig Kunden eine Art 
Versicherung gegen Patentansprüche anderer (und ist sich des 
Widerspruchs bewusst).

Ob es etwas bringt, sich jetzt von Novell abzuwenden? Was passiert, 
wenn sie recht haben? Dann wärest Du mit ihnen auf der sichereren 
Seite...

Nein, von Novell abgesehen, interessiert mich, inwieweit sich 
GPL-Bedingungen wirksam sind, die sich auf Dritte beziehen, und was 
uns die Zukunft dazu (an Gerichtsurteilen?) bringen wird.


> Ich meine es ist besser eine exakte eutsche Übersetzung abzuwarten
> um dann darüber diskutieren zu können.

Ich glaube es wird keine exakte deutsche Übersetzung geben. Schon von 
der v2 gibt es nur eine inoffizielle, die nur der Erläuterung dient, 
aber nicht verbindlich ist. Eine Übersetzung wäre nicht nur wegen der 
verschwurbelten Schachtelsätze schwierig, sondern vor allem wegen der 
Nichtübertragbarkeit feststehender Rechtsbegriffe, z.B. Copyright vs 
Urheberrecht und Garantieausschluss vs grobe Fahrlässigkeit. Es hilft 
aber schonmal, dass die v3 „internationalisierte“ Formulierungen 
verwendet, und dass deutsche Gerichte die Wirksamkeit des 
englischsprachigen Lizenztextes anerkannt haben.


Viele Grüße,
Hermann
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