[uplug] GPL v3

Hermann Schwarting hfs at gmx.de
So Jul 1 17:47:41 CEST 2007


Hallo,

am Freitag hat die Free Software Foundation die endgültige dritte 
Version der General Public License veröffentlicht.
[ http://www.gnu.org/licenses/gpl.html ]
Als Benutzer, Entwickler oder Kopierer von Freier Software müssen wir 
uns nun damit beschäftigen, was die Änderungen bedeuten. Als LUG 
werden wir sicher einmal die ein oder andere Frage dazu beantworten 
können müssen. Mir ist noch so einiges unklar und vielleicht können 
wir hier ein bisschen darüber diskutieren.


In §2 steht

> You may make, run and propagate covered works that you do not
> convey,  [...]

Was ist der Unterschied zwischen »propagate« und »convey«? Kann man 
das mit „weitergeben“ und „kopieren“ übersetzen? Heißt das ich darf 
ein Werk weitergeben (z.B. auf CD) ohne den Lizenztext mitzuliefern?


DRM-Verbot in §3.

> When you convey a covered work, you waive any legal power to forbid
> circumvention of technological measures to the extent such
> circumvention is effected by exercising rights under this License
> with respect to the covered work, and you disclaim any intention to
> limit operation or modification of the work as a means of enforcing,
> against the work's users, your or third parties' legal rights to
> forbid circumvention of technological measures.      

Bedeutet das entweder, dass

* ein unter Kopierschutz stehendes GPL-Werk unter Umgehung des
  Kopierschutzes trotzdem kopiert und geändert werden darf

oder dass

* wenn ein GPL-Programm Teil eines Kopierschutzes ist und durch
  Änderung des Programms der Kopierschutz umgangen werden kann,
  man dies auch machen darf?


Änderungen bei der Weitergabe unveränderter und veränderter Kopien 
§4-6:
* Es wird klargestellt, dass man auch für unveränderte Kopien über den
  reinen Kopierakt hinaus einen Preis verlangen darf.
* Bei der GPLv2 musste man *allen Dritten* kostenlos eine Lizenz
  erteilen und ihnen Zugang zu den Quellen zum Selbstkostenpreis
  einräumen. Bei der v3 genügt es, den Zugang nur denen anzubieten,
  die bereits im Besitz des Objektcodes sind.

Das bedeutet für „Consumergeräte“ wie Handies oder Settopboxen mit 
GPL-Programmen ja wohl, dass erst ein Kunde den Objektcode 
„freikaufen“ muss, bevor er den Sourcecode verlangen und 
weiterverbreiten kann. Und das gilt dann wohl noch für jede Version 
einzeln?


Der „Tivo-Paragraph“ §6, zweiter Teil:

In der Zusammenfassung muss man bei Consumer-Geräten, die GPL-Software 
beinhalten, auch das Ausführen modifizierter Programme technisch und 
durch Dokumentation ermöglichen. Erstmal finde ich es recht 
umständlich, wie diese Geräteklasse versucht wird zu definieren. Dann 
verstehe ich nicht, warum die Veränderungsfreiheit damit nur 
Privatleuten ermöglicht wird. Warum sollte ich die Freiheit z.B. bei 
einer Firewall-Appliance (also einer als „Black Box“ verkauften Kiste 
aus Rechner, Betriebssystem und Firewall-Software) im Betrieb nicht 
haben?


Automatische Lizenzannahme §9:

> You are not required to accept this License in order to receive or
> run a copy of the Program.

Nach deutschem Urheberrecht bestimmt der Urheber aber über jede 
*Nutzung* seines Werks. Dazu würde ich auch das Ausführen einer 
irgendwie erhaltenen Programmkopie verstehen. Deshalb müsste nach 
meinem Verständnis auch für das reine Ausführen eine Lizenz nötig 
sein, oder?


Patente §11

Was an den Patentregeln neu ist, zielt ja eindeutig auf Patentabkommen 
wie das zwischen Novell und Microsoft. Lese ich das richtig, dass 
(alles unter der Annahme das Softwarepatente rechtmäßig wären und 
durchgesetzt werden könnten) wenn Novell GPLv3-Software 
weitervergibt, die von den tausenden Patenten Microsofts teilweise 
abgedeckt wird, und dafür von Microsoft eine Patentlizenz nur für die 
eigenen Kunden bekommen hat, der §11 dafür sorgen soll, dass entweder 
Novell auf die Patentlizenz verzichtet oder Novell Microsoft dazu 
bringen soll, die Patentlizenz auf alle „Downstream-Empfänger“ 
auszuweiten? Ist das nicht etwas viel geregelt für eine 
Softwarelizenz?


Affero-Lizenz §13:

Bedeutet das, dass wenn ich ein Affero-lizensiertes Programm, z.B. ein 
Content Management System mit GPLv3-Software zu einem Paket wie LAMP 
zusammenschnüre, diejenigen, die das Paket empfangen und öffentlich 
installieren, allen Sourcecode des Komplettpakets zur Verfügung 
stellen müssen? Ist das nicht etwas happig?


Viele Grüße,
Hermann
-------------- nächster Teil --------------
Ein Dateianhang mit Binärdaten wurde abgetrennt...
Dateiname   : signature.asc
Dateityp    : application/pgp-signature
Dateigröße  : 189 bytes
Beschreibung: This is a digitally signed message part.
URL         : <http://lists.astaup.de/pipermail/uplug/attachments/20070701/f3ad273f/attachment.sig>


Mehr Informationen über die Mailingliste upLUG