[uplug] Linux from scratch

Thomas Orgis thorgis at rz.uni-potsdam.de
Sa Aug 30 14:06:52 CEST 2003


Hallo experimentierfreudiger Kollege!

> um ein bischen mehr in die Tiefen von Linux hinabzusteigen, möchte ich mit
> Anleitung von www.linuxfromscratch.org mal alles selber zusammenbasteln.
Wenn du das durchhältst, hast du auch wirklich was gelernt.

> Hat das hier schonmal jemand gemacht und kann vielleicht schon im Vorfeld
> auf mögliche Probleme und Fehlerquellen hinweisen?
Ja, ich habe. Und es auch nicht bereut. Inzwischen haben fast alle meine 
Rechner ein LFS-System drauf. Angefangen habe ich unvorsichtigerweise auf 
meinem Arbeitslaptop, da mir die SuSE zu träge wurde (mich hatte der Wahn 
gepackt, alles möglichst optimiert auf den Pentium 200 MMX zu kompilieren;-).
Erstaunlicherweise ging das nicht nach hinten los. Ist nun schon über ein Jahr 
her und das LFS3.3-basierte System läuft noch nett vor sich hin. Inzwischen 
ist mir KDE doch zu blöd geworden (der Editor Kate hat mich als 
Hobby-Programmierer kurzlich mit seinen Unzulänglichkeiten und extremer 
Trägheit trotz wahnsinnigen Versprechungen zum letzten Mal genervt.) - ich 
schreibe das hier mit KMail, aber das läuft unter dem Windowmanager Fluxbox, 
welcher keine Minute zum starten braucht... wenngleich ich auch kürzlich 
festgestellt habe, dass das Konqueror-Fenster auf einem 1GHz-Laptop mit 
wesentlich schnellerer Festplatte und SuSE 8.2 auch nicht schneller erschien, 
als auf dem alten 200er mit optimiertem LFS.

Für den, der gewillt ist, sich zwecks des besseren Verständnisses mit dem 
System auseinanderzusetzten, ist ein LFS sicher lohnenswert. Man muss schon 
bereit sein, sich mit dem LESEN von Doku (oder wenigstens der 
Installationsanweisung) zu beschäftigen. Das Basis-System nach dem Buch 
sollte ohne größere Probleme ablaufen. Die haben das durchgetestet. Die 
Kommandos brauch man ja auch nur per cut+paste übernehmen. 

Etwas mehr Eigeninitiative ist dann beim weiteren Ausbau des Systems gefragt. 
Inzwischen sind - glaube ich - im LFS-Buch so einige Kapitel hinzugekommen. 
Aber bei allem, was über die Grundlegenden Dinge wie GNU-Toolchain, glibc, 
Kernel, grep, sed etc. hinausgeht, heißt es entscheiden, ob man das will oder 
braucht. Gerade das sorgt dann dafür, dass man sein System wirklich kennt.
Nachteil: Man sollte auch schon eine Vorstellung davon haben, wozu der sshd 
denn gut sein könnte...
...und zur Konfiguration der verschiedenen frisch kompilierten Programme sich 
nicht zu fein sein, die entsprechende Doku zu lesen. Ich sags immer wieder.


LFS4-Systeme sind bei mir inzwischen auch im Betrieb - ich glaube nicht, dass 
ich ohne die LFS-Erfahrung aud die Idee gekommen wäre, den heimischen 
Fileserver von einem IDE-RAID booten zu lassen (nachdem man es gewoht ist, 
sich Dinge dieser Art anzulesen und irgendwo noch Exerimentierfreude hat, 
macht man soetwas eben).

Es braucht einiges an Arbeit. Es braucht auch einiges an Zeit (für meinen 
Laptop habe ich das abgekürzt, indem ich übers LAN meinen Standrechner habe 
kompilieren lassen - das war ich schon von früheren KDE-Kompilaten gewohnt).
Aber es lohnt sich. Finde ich. Immerhin kann ich DivX-Filme in VHS-Auflösung 
auf meinem Laptop recht flüssig ansehen. Natürlich mit optimiert kompiliertem 
X und Xine:-)


> Hat jemand eine Idee wieviel Festplattenplatz mindestens notwendig ist zum
> kompilieren größerer Sachen wie XFree oder so?
Eins vorweg: XFree kann einem schonmal die Lust am kompilieren nehmen. Es gibt 
sicher eine detaillierte LFS-Anleitung (bestimmt im Buch, früher war es ein 
"Hint"). Ich habe es schon ein paar mal kompiliert. Aber es macht keinen 
Spass. Für den Anfang kann man auch problemlos ein Binary-Paket (tgz, nicht 
rpm) benutzen; das ist keine Schande.
Zum Platzbedarf: habe mir eben mal das Installationsverzeichnis von X auf 
meinem Athlon angesehen Quellen und Kompilate darin kommen auf 625MB. Hm. 
Nicht schlecht. Mein /usr/X11R6, also was dann an Dateien installiert wird, 
kommt auf 122MB.
Die KDE3.1-Installation hat 212MB (hier wird aber stückweise - 
kdelibs,kdebase,... - kompiliert, so dass man sicher auch ohne 800MB 
temporären Platz auskommt, aber etwas mehr Luft macht sicher Freude.
Auch aus folgendem Grund: Ich plädiere auch dafür, die Quellen samt Kompilate 
irgendwo zu sichern/auf der Platte zu behalten. Solange man keine andere Art 
des Pake/Softwaremanagement hat, sind sie (meistens) die einzge Möglichkeit, 
ein Programm (meist) sauber zu deinstallieren (z.B. per 'make uninstall') 
oder auch zu reinstallieren. Auch um später noch zu wissen, was man denn in 
welcher Version mit welcher Konfiguration installiert hat. DVD-Brenner sind 
ja recht billig heutzutage... oder mal 10GB auf der Festplatte, die ja noch 
billiger sind.
Alle LFS-4.0 Basispakete (Quellen+Kompilate) kommen bei mir auf 1,6GB.
X gehört nicht dazu!


Viel Erfolg!

____
ThOr



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